Hängeseilbrücke Geierlay

FIN-GER-NET 2.0

Träger

LAG Hunsrück

Status

Projekt in Umsetzung

Projektbeschreibung

Die beteiligten Lokalen Aktionsgruppen arbeiten seit 2010 offiziell zusammen und konnten seither diverse für alle Partnerregionen vorteilhafte Einzelprojekte anstoßen und teils weit darüber hinausgehende Verbindungen knüpfen. Im Förderzeitraum 2007 bis 2013 wurden zwei aufeinander folgende und aufbauende LEADER-Vorhaben im Rahmen der Kooperation umgesetzt. Die starke Bereitschaft zur Fortsetzung der Zusammenarbeit ist auf allen Seiten gegeben und es haben sich viele weitere mögliche Handlungsfelder ergeben, auf welchen durch einen transnationalen Ansatz erhebliche Mehrwerte für die Partnergebiete entstehen können. Zudem sollen bereits aufgenommene Themen weitergeführt werden.

Die strukturelle und mentale Basis, basierend auf vielen persönlichen Kontakten und Beziehungen, ist als zentrale Voraussetzung für eine weitere erfolgreiche Kooperation gegeben. Die Erfahrungen der bisherigen Projekte lassen nun eine zielgerichtete Konzeption eines neuen Vorhabens zu. Gezeigt hat sich in den vergangenen Jahren, dass eine wichtige Voraussetzung für die Initiierung von gemeinsamen Maßnahmen die Vorbereitung mittels Projektworkshops darstellt. Die Planung sieht vor, dass potenzielle Projektträger aller drei Aktionsgruppen in moderierten Workshops zusammengeführt und von den Mitarbeitern der Regionalmanagements begleitet werden. Bei den Workshops soll die jeweilige Thematik vorgestellt und aus Sicht der Beteiligten beleuchtet werden. In der Regel werden auch Besuche in relevanten Einrichtungen, Exkursionen zu möglichen Projektstandorten u. ä. Teil des Programmes sein. Wichtigster Punkt ist aber in jedem Fall die moderierte Diskussion der ins Auge gefassten Projekte. Die Moderation soll vom jeweils gastgebenden Regionalmanagement geleistet werden, unterstützt durch eine/n Projektkoordinator/in, der/die bei PoKo angestellt sein soll, aber auch für die beiden deutschen Gruppen tätig sein soll.

Die Ergebnisse sind in geeigneter Form aufzuarbeiten und zu dokumentieren. Es sollten stets zwischen allen Partnern abgestimmte Projektkonzepte angestrebt werden.

Bisherige Zusammenarbeit

Die Lokalen Aktionsgruppen haben in zwei aufeinander folgenden transnationalen Vorhaben in mehreren Workshops in beiden Staaten Akteure aus dem ländlichen Raum zusammengeführt und den Erfahrungsaustausch angestoßen und begleitet. Aus diesen Treffen und den Zusammenkünften der Steuerungsgruppen sind folgende konkreten Ergebnisse festzuhalten:

  • Teilnahme eines Marktstandes mit regionalen finnischen Produkten auf dem Weihnachtsmarkt 2010 in Simmern
  • Seminar „Finnische Speisen treffen auf Weine vom Mittelrhein“
  • Gemeinsamer deutsch-finnischer Gemeinschaftsstand auf der regionalen Gewerbemesse „Hi!R“ in Simmern 2011
  • Teilnahme eines finnischen Teams beim Gourmetfestival „à la région“ in Kastellaun 2011
  • Präsentation von regionalen Produkten vom Mittelrhein durch die Oberweseler Weinhex bei einem „Hexenfestival in Finnland 2011
  • Teilnahme einer finnischen Delegation von Landfrauen am Bühnenprogramm der Bundesgartenschau in Koblenz 2011
  • Praktikum zweier finnischer Hotelfachschüler auf Schloss Rheinfels 2011 
  • Praktika von vier Studentinnen aus Finnland bei der LAG Hunsrück
  • Verkauf regionaler Produkte und selbstgebackener Kuchen von Landfrauen von Hunsrück und Mittelrhein auf einem Bauernmarkt in Finnland 2011
  • Bachelorarbeit einer finnischen Studentin über die Erfolgsfaktoren der transnationalen Zusammenarbeit im Projekt 2011
  • Projektstart des Vorhabens FIN-GER-MAIL der Kooperativen Gesamtschule Kirchberg mit einer Schule in Finnland als COMENIUS-Projekt 2012
  • Start eines COMENIUS-Projektes der Berufsschule Simmern mit verschiedenen transnationalen Partnern, u. a. aus Finnland
  • Erstellung einer Homepage für das FIN-GER-NET-Projekt
  • Finnischer Abend „Kippis“ in einem Hunsrücker Restaurant gemeinsam mit der Regionalmarke „SooNahe“
  • Studienreise einer finnischen Expertengruppe zum Thema „Erneuerbare Energien“
  • Dreimalige Entsendung von Auszubildenden von Hunsrück und Mittelrhein in finnische Betriebe zu dreiwöchigen Praktika, zunächst im Rahmen eines ESF-Projektes, dann von finnischer Seite finanziert
  • Teilnahme eines finnischen Küchenteams am Gourmetfestival „à la région“ 2013 in Oberwesel
  • Studienreise einer finnischen Gruppe von Beerenfarmern zum Hunsrück und Mittelrhein zu Themen des Anbaus und der Vermarktung
  • Auszeichnung für das Projekt FIN-GER-NET beim „Nordic-Baltic LEADER Co-operation Award“
  • Treffen von Pfadfindern in Finnland und in Deutschland
  • Treffen einer kirchlichen Jugendgruppe mit Jugendlichen in Finnland
  • Einrichtung einer Weinstube „Viinitupa Vuorenmaja“ durch ehemalige Projektkoordinatorin und Ausschank vieler rheinland-pfälzischer Weine 
  • Einwöchige Hospitation eines Professors der Fachhochschule Tampere im Hunsrücker LAG-Büro und Entwicklung einer Projektidee zum Austausch von Studierenden mit der Hochschule Koblenz
  • Regelmäßige Besuche von Touristengruppen aus Finnland auf dem Hunsrück und am Mittelrhein, organisiert durch das Reisebüro der ehemaligen Projektkoordinatorin

Darüber hinaus brachten die Treffen und Workshops sehr gute Möglichkeiten zum Erfahrungsaustausch auf unterschiedlichen Gebieten sowie zur Erhöhung regionaler Kompetenzen:

  • Anpassung touristischer Angebote an die Zielgruppen deutsche bzw. finnische Touristen
  • Herausforderungen und Lösungsstrategien in Dörfern in Deutschland und Finnland
  • Vergleich der Schul- und Bildungssysteme in beiden Ländern
  • Arbeit und Organisation der Landfrauen in beiden Ländern
  • Austausch zu aktuellen Themen der Landwirtschaft in beiden Ländern, insbesondere Milchviehhaltung
  • Vermarktung regionaler Produkte
  • Stärkung der interkulturellen Kompetenzen

Webseite zum Projekt FIN-GER-NET 2010 bis 2014

Planung der weiteren Zusammenarbeit

Anknüpfend an die bisherigen Erfahrungen soll die finnische wie auch die deutsche Seite jeweils ein eigenes formales Förderprojekt durchführen, wobei beide Vorhaben eng miteinander abgestimmt werden sollen. Auf finnischer Seite soll eine/n Projektkoordinator/in eingestellt werden, um die jeweiligen Workshops intensiv vorbereiten, begleiten und evaluieren zu können und die beteiligten Akteure bei der Initiierung gesonderter Projekte unterstützen zu können. Die Person soll finnisch und deutsch sowie englisch beherrschen. An den Kosten der Stelle soll sich die deutsche Seite hälftig beteiligen.

Die Workshops sollen abwechselnd in Deutschland und Finnland stattfinden und zielgerichtet auf Projektumsetzungen fokussiert sein. Es werden Themen bestimmt und die entsprechenden Akteure zusammengeführt. Für die Moderation sind die Regionalmanager und die Projektkoordination verantwortlich. Die Ergebnisse sollen fixiert und nachgehalten werden. Bei einer eventuell folgenden Antragstellung, sei es für eine ELER-Förderung, sei es in einem anderen Programm, sollen die Akteure aktiv begleitet werden.

Auf Grund der Resultate der Zusammenarbeit der vergangenen Jahre und aktueller Überlegungen und Vorarbeiten sollen folgende Themen in den Workshops intensiv bearbeitet werden: 

  1. Austausch von Studierenden (Tampere3, Hochschule Koblenz)
    Es besteht die Absicht, eine dauerhafte Kooperation der Hochschule Koblenz mit den drei Hochschulen in Tampere (Fachhochschule, Universität und Technische Universität) zu etablieren. Das Interesse der Aktionsgruppen liegt dabei darin, Studierende für ein Leben und Arbeiten bei betrieben im ländlichen Raum zu begeistern. Dazu sollen Studierende beider Länder, idealer Weise mit regionalem Bezug, in binationalen Tandems mehrere Wochen gemeinsam in Finnland und Deutschland in Betrieben und an den Hochschulen an konkreten Projekten arbeiten. Die Praktika sollen als prüfungsrelevante Bestandteile des Studiums angeboten werden. Die Partnerhochschulen haben bereits erste Gespräche geführt und ihren Willen zur Projektrealisierung bekundet.
  2. Austausch von Auszubildenden (Betriebe in den LAG-Gebieten in Finnland und Deutschland)
    Ausgehend von den Kontakten, die durch FIN-GER-NET in den Partnerregionen geknüpft wurden, konnten im Rahmen eines ESF-Projektes des Regionalrats Wirtschaft Auszubildende aus deutschen Betrieben dreiwöchige Praktika in finnischen Betrieben absolvieren. Auf Grund der sehr positiven Rückmeldungen der entsendenden wie auch der aufnehmenden Unternehmen und er Jugendlichen soll diese Entsendung fortgeführt werden. Dabei sind die bisherigen Erfahrungen zu evaluieren und weitere Betriebe, z. B. aus den Bereichen Land- und Forstwirtschaft zu akquirieren. Künftig sollen auch finnische Praktikanten nach Deutschland kommen können. Dazu sind die unterschiedlichen Bedingungen durch die entsprechenden Ausbildungssysteme beider Länder zu prüfen.
  3. Strategien zur Verhinderung von Abwanderung junger Menschen aus dem ländlichen Raum
    Den Hintergrund für die unter 1. und 2. genannten Projektideen bildet der Wille der ländlichen Gegenden in beiden Ländern, jungen Menschen die Perspektiven aufzuzeigen, die ländliche Räume zum Leben und Arbeiten bieten. Dazu sollen auch weitere Aspekte berücksichtigt und Good-Practice-Beispiele ausgetauscht werden wie z. B. die Karrierefibel „WILDWUCHS“, ein Erfolgsmodell des Regionalrats Wirtschaft Rhein-Hunsrück. Der Dialog mit Jugendlichen in beiden Ländern soll gesucht werden, um zielgenauer deren Bedürfnisse abbilden zu können.
  4. Kultureller Austausch (KinoProjekt; Kunst/Künstler/Museen; Kinder/Jugendliche)
    Aufbauend auf ersten Kontakten soll die Zusammenarbeit von privaten Initiativen zum Erhalt von Kinos im ländlichen Raum gestärkt und unterstützt werden. In Mänttä und Simmern existieren bereits entsprechende Vereine mit eigenen Kinos. Dort sollen künftig Filme aus dem jeweils anderen Land zu Themen des ländlichen Raums gezeigt werden, wobei regionale Produkte und touristische Werbemöglichkeiten die Veranstaltungen ergänzen sollen. Desweiteren gibt es die Idee, dass Jugendliche unter professioneller Anleitung ein Filmprojekt in beiden Ländern realisieren, das das Leben junger Menschen im ländlichen Raum zum Thema hat.
    Angedacht ist auch die Zusammenarbeit von Museen in den Partnerregionen, etwa durch den Austausch von Ausstellungen. Außerdem könnten HobbymalerInnen aus beiden Ländern gemeinsam Malworkshops durchführen und Ergebnisse präsentieren.
    An die positiven Erfahrungen aus dem COMENIUS-Projekt „FIN-GER-MAIL soll eventuell in einem Folgevorhaben angeknüpft werden.
  5. Tourismuspakete (LEADER verändert die Regionen)
    Mit LEADER-Mitteln konnte in den vergangenen beiden Förderzeiträumen eine Vielzahl touristischer Attraktionen in allen drei Regionen geschaffen oder in Wert gesetzt werden. Diese sollen im jeweils anderen Land besser vermarktet werden. Dazu könnten spezielle Pakete geschnürt werden, die u. a. LEADER-Vorhaben einbeziehen, z. B. Rudern mit dem Kirchboot auf einem finnischen See, Flug mit dem iTAKEoff-Flugsimulator im Hunsrück, Besuch der multimedialen Ausstellung am Mittelrhein. Dazu sollen auch mögliche Vertriebswege für die Pakete eruiert werden.
    Best-Practice-Beispiele sollen in den Partnerregionen vorgestellt werden. So planen in Mänttä Interessierte den Bau eines Flugsimulatorenzetntrums nach dem Vorbild in Kastellaun.
  6. Daseinsvorsorge
    In den Partnerregionen gibt es verschiedene Beispiele für angepasste Lösungen an die Problematik der Daseinsvorsorge. Hier können die Partner voneinander lernen und sich gute Beispiele abschauen. Ein Ideenpool könnte regionalen Akteuren Möglichkeiten aufzeigen wie Herausforderungen der Mobilität, der Gesundheitsversorgung oder der Versorgung mit Waren des täglichen Bedarfs gemeistert werden können.

Die Gesamtstruktur der Partnerschaft soll stets auch die Möglichkeit bieten, auf bestimmte Themen kurzfristig reagieren zu können. Das Themenspektrum kann dabei durchaus verändert und aktualisiert werden.

Darüber hinaus sollen auch sehr spezifische Fragestellungen unter Einbeziehung von Experten bearbeitet werden können. Beispielsweise möchte man in Mänttä einen alten Flugplatz für kleinere Flugzeuge reaktivieren und sucht nach Unterstützung auf deutscher Seite, wozu bereits erste zielführende Kontakte geknüpft werden konnten. Auch soll in einem ehemaligen Kino in Finnland ein Flugsimulator gebaut werden, wobei auf die Erfahrungen des entsprechenden LEADER-Vorhabens im Hunsrück zurückgegriffen werden kann.

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